Verstopfung & Notdienst

Abfluss verstopft – was tun? Drei sichere erste Schritte und wann eine Fachfirma nötig ist

Saugglocke, Siphon, Sieb: was Sie bei einem verstopften Abfluss oder WC selbst tun können, was chemische Reiniger bringen und wann es eine Fachfirma braucht.

Ist nur ein Abfluss verstopft, können Sie es zuerst selbst versuchen: mit einer Saugglocke, indem Sie den Siphon abschrauben und reinigen oder Haare aus dem Ablauf entfernen. Mehr sollten Laien nicht tun. Sind mehrere Abläufe betroffen, kommt Wasser in der Dusche hoch, gluckert es oder liegt die Verstopfung in der Wand, braucht es eine Fachfirma. Dieser Ratgeber zeigt, woran Sie den Unterschied erkennen, was beim verstopften WC gilt und was Hausmittel leisten.

Zuerst klären: Wo sitzt die Verstopfung?

Bevor Sie zur Saugglocke greifen, lohnt ein Blick auf die übrigen Abläufe. Daraus lässt sich grob ablesen, wo das Problem liegt:

  • Nur ein Ablauf läuft langsam ab – etwa das Lavabo oder die Dusche, alle anderen funktionieren: Die Verstopfung sitzt wahrscheinlich im Siphon oder kurz danach. Das können Sie oft selbst lösen.
  • Mehrere Abläufe sind betroffen, oder beim Spülen des WCs steigt Wasser in Dusche oder Badewanne hoch: Dann ist die gemeinsame Leitung verstopft, in die diese Abläufe münden. Hier hilft die Saugglocke nicht mehr.
  • Wasser drückt im Keller aus dem Bodenablauf, oder es betrifft mehrere Wohnungen: Die Verstopfung liegt in der Fall- oder Grundleitung. Das ist ein Fall für eine Firma mit Spülgerät, ausserhalb der Arbeitszeit für einen Notdienst oder Pikett. Drückt Abwasser bei Regen oder Rückstau aus der Kanalisation zurück, lohnt sich danach ein Blick auf die Rückstauklappe.

Drei Schritte, die Sie selbst machen können

1. Saugglocke einsetzen. Für kleine Verstopfungen ist die Saugglocke – auch Saugstöpsel oder Pümpel genannt – das richtige Werkzeug. Beim Lavabo und bei der Badewanne müssen Sie den Überlauf mit einem Lappen abdecken, sonst entweicht die Luft durch diese Öffnung und die Saugglocke wirkt nicht, wie die Fachleute bei Radio SRF 1 erklären. Für das WC gibt es Saugglocken mit passender Form.

2. Siphon abschrauben und reinigen. Den Siphon unter Lavabo oder Spültrog können Laien in der Regel selbst lösen und reinigen. Stellen Sie einen Kübel darunter, schrauben Sie den Siphon von Hand ab, entfernen Sie Haare und Ablagerungen und setzen Sie ihn wieder korrekt zusammen – sitzt eine Dichtung schief, tropft es danach. In der Mietwohnung gehört diese Reinigung zum kleinen Unterhalt der Mieterschaft.

3. Sieb und Ablauf von Haaren befreien. In Dusche und Badewanne sammeln sich Haare direkt unter dem Ablaufdeckel. Ein Sieb fängt einen Teil davon ab, verhindert aber nicht alles: Einzelne Haare gelangen trotzdem in die Leitung und bilden dort mit der Zeit einen Knäuel. Ein solcher Haarknäuel in der Leitung braucht laut dem Sanitärmeister Jürg Kamm gegenüber Radio SRF 1 meist die Putzrute des Profis.

Hilft keiner dieser Schritte, hören Sie auf. Weiteres Stochern mit Draht oder improvisierten Spiralen kann Siphon und Leitung beschädigen.

WC verstopft: was tun?

Beim WC gelten eigene Regeln, weil das Wasser schnell überläuft:

  • Nicht mehr spülen. Jede weitere Spülung füllt die Schüssel, bis sie überläuft. Ist der Wasserstand hoch, schöpfen Sie einen Teil ab.
  • WC-Saugglocke verwenden. Für das WC gibt es Saugglocken mit einer Form, die in den Abfluss der Schüssel passt.
  • Keine chemischen Reiniger ins WC. Der TCS warnt, Rohrreiniger könnten die Leitungen beschädigen und seien stark gesundheitsgefährdend. Bleibt die Verstopfung bestehen, steht das Mittel danach in der Schüssel – und die Fachperson muss damit arbeiten.
  • Auf die anderen Abläufe achten. Steigt beim Spülen Wasser in Dusche oder Badewanne hoch, ist nicht das WC, sondern die gemeinsame Leitung verstopft. Dann hilft die Saugglocke nicht mehr; rufen Sie eine Fachfirma, in der Mietwohnung zuerst die Verwaltung.

Häufige Ursache sind Dinge, die nicht ins WC gehören, etwa Feuchttücher und Hygieneartikel – mehr dazu unten unter «So beugen Sie Verstopfungen vor».

Chemische Reiniger und Hausmittel

Abflussreiniger aus dem Laden versprechen schnelle Hilfe: hineingiessen, über Nacht einwirken lassen, nachspülen. Jürg Kamm sieht das gegenüber Radio SRF 1 anders: «Haare lösen sich sicher nicht mit solchen Reinigern auf.» Wer dennoch zu einem Produkt greift, sollte die Warnhinweise auf der Packung beachten und verschiedene Mittel nicht nacheinander in denselben Abfluss geben.

Bleibt die Verstopfung bestehen, steht das Mittel danach im Becken oder in der Leitung. Sagen Sie der Fachperson deshalb, was Sie verwendet haben. Der TCS rät zudem, Rohrreiniger nicht vorbeugend einzusetzen, weil sie die Leitungen beschädigen können.

Und Hausmittel? Der TCS nennt in seinem Ratgeber zum Entstopfen neben der Saugglocke auch Natronpulver und hält fest, das sei dann wirkungsvoll, wenn die Verstopfung unmittelbar vor dem oder im Siphon sitzt. Für Verstopfungen weiter unten in der Leitung gilt das nicht, und eine Rohrspirale kann laut TCS bei unsachgemässer Anwendung Rohr und Keramik beschädigen. Wer also Natron versucht, tut das beim Siphon – und hört auf, wenn es nicht wirkt.

Wann Sie eine Fachfirma rufen sollten

Brechen Sie die eigenen Versuche ab und rufen Sie eine Fachfirma – in der Mietwohnung zuerst die Verwaltung –, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Das Wasser steht trotz Saugglocke und gereinigtem Siphon im Becken, in der Dusche oder im WC.
  • Mehrere Abläufe sind gleichzeitig betroffen, oder Wasser aus dem WC kommt in Dusche oder Badewanne hoch.
  • Es gluckert: Laut den Fachleuten bei Radio SRF 1 steht dann zu wenig Wasser im Siphon – mindestens fünf Zentimeter sollten es sein. Die Verstopfung liegt meist weiter unten in der Leitung.
  • Die Verstopfung liegt in der Wand: Ein Sanitärfachmann riet bei SRF, alles, was in der Wand liegt, Profis zu überlassen. Ein Fehler kann einen Wasserschaden verursachen, der erst Wochen oder Monate später sichtbar wird.
  • Wasser drückt im Keller aus dem Bodenablauf oder steht in einem Schacht.
  • Der Abfluss verstopft immer wieder: Dann steckt oft eine Ursache dahinter, die erst eine Kamerainspektion zeigt, etwa Fettablagerungen, eingewachsene Wurzeln oder ein Rohrschaden.

Firmen für die Abflussreinigung bei Verstopfungen arbeiten mit Spiralen, Fräsköpfen und Hochdruck und können die Leitung bei Bedarf mit der Kamera untersuchen. Im Verzeichnis für Rohr- und Kanalreinigung finden Sie Betriebe mit Adresse in Ihrer Region.

In der Mietwohnung: zuerst die Verwaltung

Den Siphon zu reinigen ist in der Regel Sache der Mieterschaft. Ist dagegen die Leitung verstopft, zahlt grundsätzlich die Vermieterschaft – und sie bestimmt dann auch, welche Firma kommt, wie «Kassensturz Espresso» erklärt hat. Melden Sie eine Verstopfung, die Sie nicht selbst lösen können, deshalb sofort der Verwaltung, am besten schriftlich und mit Fotos. Welche Ausnahmen gelten und wie es im Stockwerkeigentum aussieht, steht im Ratgeber «Verstopfung: Wer zahlt die Rohrreinigung?».

Notfall in der Nacht oder am Wochenende

Läuft ein WC über oder steigt Abwasser hoch, stellen Sie zuerst die Wasserzufuhr ab und benutzen keine Abläufe mehr. Dann kommt es auf die Wahl der Firma an. Bevor Sie im Internet suchen, lohnt ein Blick in eigene Verträge: Der TCS bietet für Eigenheime eine «Pannenhilfe für Ihr Zuhause» an, die laut TCS bei Sanitärpannen die Kosten für 45 Minuten Arbeitszeit, An- und Rückfahrt sowie das mitgeführte Kleinmaterial übernimmt; auch manche Versicherungen vermitteln über eine Assistance-Nummer Handwerker. Was im Einzelfall gedeckt ist, steht in den Vertragsbedingungen. Joel Sigrist, Vizepräsident der Vereinigung Schweizer Sanitär- und Heizungsfachleute, warnte bei Radio SRF 1 vor Notdiensten, die im Internet ganz oben erscheinen: Ein einstündiger Einsatz könne dort schnell 1’500 bis 2’000 Franken kosten. Er empfahl einen lokalen Betrieb mit Pikettdienst, der deutlich günstiger sei.

Die Stiftung für Konsumentenschutz rät, die Nummer eines seriösen Notfalldienstes schon vor dem Notfall zu notieren und sich die Kosten vorab nennen zu lassen. Worauf Sie am Telefon achten sollten, steht auf der Seite zum Notdienst und Pikett bei Verstopfungen; mit welchen Beträgen Sie rechnen müssen, im Ratgeber «Was kostet eine Rohrreinigung in der Schweiz?».

So beugen Sie Verstopfungen vor

  • Sieb verwenden in Dusche, Badewanne und Spültrog und es regelmässig leeren.
  • Nichts ins WC, was nicht hineingehört: Feuchttücher, Hygieneartikel und Essensreste gehören in den Abfall. Der Kanton Bern hält in seinem Merkblatt zu Küchen- und Speiseabfällen fest, dass Abfälle nicht über die Kanalisation entsorgt werden dürfen.
  • Kein Fett in den Ausguss: Fett erstarrt in der Leitung und ist eine häufige Ursache für Verstopfungen in Küchenleitungen.
  • Auf Warnzeichen achten: Läuft das Wasser langsamer ab als sonst oder gluckert es, reagieren Sie früh – eine kleine Verstopfung ist schneller gelöst als eine grosse.

Häufige Fragen

Was tun, wenn die Toilette verstopft ist und das Wasser steht?
Nicht mehr spülen, sonst läuft das WC über. Versuchen Sie es mit einer Saugglocke für WCs. Bewegt sich nichts oder kommt Wasser in Dusche oder Badewanne hoch, sitzt die Verstopfung in der Leitung – dann rufen Sie eine Fachfirma oder in der Mietwohnung zuerst die Verwaltung.
Warum gluckert mein Abfluss?
Laut den Fachleuten, die Radio SRF 1 befragt hat, ist Gluckern ein Zeichen, dass zu wenig Wasser im Siphon steht – mindestens fünf Zentimeter sollten es sein. Die Verstopfung liegt dann meist weiter unten in der Leitung, und es braucht eine Fachperson.
Helfen chemische Abflussreiniger?
Fachleute, die Radio SRF 1 befragt hat, halten wenig davon: Haare lösen sich damit nicht auf. Der TCS warnt zudem, sie könnten Leitungen beschädigen und seien stark gesundheitsgefährdend. Für kleine Verstopfungen im Siphon genügen meist Saugglocke oder Abschrauben und Reinigen; ein Sieb über dem Ablauf beugt vor.

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