Was macht eine Kanalreinigungsfirma?
Bei der Kanalreinigung spült eine Fachfirma Grund-, Hausanschluss- und Sammelleitungen mit einem Hochdruck-Spülfahrzeug, saugt Schlamm und Ablagerungen ab, leert Schächte und Schlammsammler und stellt so den freien Querschnitt der Leitungen wieder her.
Abwasserleitungen im Boden setzen mit der Zeit Sand, Schlamm, Fett und Kalk an. Das verengt den Querschnitt, begünstigt Verstopfungen und Rückstau und verdeckt Schäden. Die Kanalreinigung mit Hochdruck – fachlich «hydrodynamische Reinigung», umgangssprachlich auch Kanalspülung – ist deshalb sowohl Unterhalt als auch Voraussetzung für jede Kamerainspektion. Der Kanton Bern verlangt etwa bei der Zustandsaufnahme privater Abwasseranlagen, dass die Leitungen vorher mit Hochdruck-Spülgeräten einwandfrei gereinigt werden.
Gearbeitet wird meist mit kombinierten Saug- und Spülfahrzeugen: Eine Düse mit rückwärts gerichteten Strahlen zieht sich durch die Leitung, löst Ablagerungen und spült sie zum Schacht zurück, wo sie abgesaugt werden. Der Wasserdruck muss zu Rohrmaterial und Zustand passen – alte oder bereits beschädigte Leitungen vertragen nicht jeden Druck.
Zur Kanalreinigung gehören auch Schächte und Sammler: Schlammsammler und Hofsammler halten Laub, Sand und Split zurück, Sickerschächte versickern Regenwasser, Pumpenschächte heben Abwasser aus tiefliegenden Geschossen an. Sind sie voll, gelangt der Schmutz in die Leitungen – oder das Wasser staut sich auf Platz und Zufahrt. Die Stadt St. Gallen zählt das Entleeren der Hof- und Schlammsammler, das Kontrollieren von Abwasserpumpen und Versickerungsanlagen und das Überprüfen der Rückstauklappen ausdrücklich zum regelmässigen Unterhalt, für den die Grundeigentümerschaft verantwortlich ist. Viele Verwaltungen regeln Spülung und Schachtreinigung in einem gemeinsamen Wartungsvertrag.
Kanalreinigung ist ein eigener Beruf: Seit 2014 gibt es die Grundbildung Entwässerungstechnologin/Entwässerungstechnologe EFZ (drei Jahre) und Entwässerungspraktikerin/Entwässerungspraktiker EBA (zwei Jahre), getragen vom Ausbildungsdachverband der Kanalunterhaltsbranche (advk). Viele Betriebe sind in der Fachgruppe Entwässerungstechnologie des Nutzfahrzeugverbands ASTAG oder im Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) organisiert.
Kosten und Abrechnung
Kanalreinigungen werden meist nach Stunden für Fahrzeug und Personal abgerechnet, teils nach Laufmetern, pro Schacht oder als Pauschale im Wartungsvertrag. Dazu kommen Anfahrt und Entsorgung des Spülguts. Kostentreiber sind die Länge des Netzes, die Menge der Ablagerungen, Anzahl und Tiefe der Schächte, die Zufahrt für das Fahrzeug und ob gleichzeitig eine Kamerainspektion gemacht wird. Für geplante Reinigungen lohnt es sich, zwei Offerten mit denselben Leistungen zu vergleichen; bei mehreren Liegenschaften derselben Verwaltung lassen sich Einsätze bündeln.